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... kein gramattisches Neutrum
Im deutschen Sprachraum kennen wir drei gramattische Geschlechter: männlich (der Baum), weiblich (die Blume) und neutral oder sächlich (das Auto). Warum Bäume männlich sind, weiß keiner, ebensowenig,
warum Blumen weiblich sind. Das Autos eine Sache sind, ist klar. Oder vielleicht doch nicht, denn Schiffe z.B. sind im Englischen immer weiblich. In aller Regel ist das männliche die Urform. Der Doktor
ist die Urfom. Seine Frau ist Frau Doktor, gleichgültig, ob sie promoviert hat oder nicht. Das ist schon ganz schön fremd. Ist der Mann ein Bäcker, gilt das gleiche. Seine Frau ist Bäcker, egal ob sie
backen kann oder nicht. Aber halt: Die Frau ist nicht Bäcker, sondern Bäckerin. Für die weibliche Form gibt es eine Endung, die aus dem männlichen Genus einen weiblichen macht.
Die ägyptische Form ist uns da erst einmal sehr vertraut. "s" = "se" = "Mann" ist der männliche Mensch,
"s.t" = "set" = "Frau" ist der weibliche. Wenn man unterstellt, dass
und Determinative sind, die das Wort verdeutlichen sollen, dann gibt es für die weibliche Form ebenfalls einen Zusatz,
das . Das Zeichen zeigt ein Brot und hat den Lautwert "t". Im Ägyptischen wird die weibliche Form immer durch den Zusatz
"t" gekennzeichnet.
Das heißt jedoch nicht, dass alle "t" automatisch weibliche Endungen sind.
Dabei kommen viele Wörter sehr gut ohne Determinative aus. So heißt z.B. "sa" = "Sohn", gleichgültig ob ein Determintaiv
dabei steht. heißt ebenfalls Sohn und spricht sich ebenfalls "sa". Und für die Tochter, (die im Deutschen ein eigenes Wort hat,) schreibt der Ägypter
oder . Beide Wörter heißen "Tochter" und sprechen sich "sa.t" = "sat".
(An dieser Stelle sei kurz darauf hingewiesen, wie schön die ägyptischen Schreiber das "t" - Brot auf den Rücken der Ente gepackt haben um so ein
Quadrat perfekt zu füllen und allen Konverntionen zu entsprechen :-)
Soweit, so gut. Aber was ist mit all den Dingen aus der unbelebten Natur, die für uns weder männlich noch weiblich sind ? Im Ägyptischen gibt es sowas nicht. Ich kann Dinge mit einer weiblichen Endung schreiben,
dann sind sie weiblich, oder ohne, dann sind sie männlich. Interessanterweise habe ich in meinem Vokabelarchiv mit derzeit etwa 200 Wörtern keine Vokabel mit eindeutig weiblicher Endung gefunden, die sich nicht auf
Menschen bezieht. Mal sehen, ob sich das in Zukunft ändert. Fest steht für mich: Im alten Ägypten gab es keine Dinge.
Wenn es im Ägyptischen keine Dinge gibt, also die gesamte Welt männlich oder weiblich ist, bedeutet das: die gesamte ägyptische Welt ist lebendig. Alles ist belebt. Tiere, Pflanzen, Gebäude, Steine, das Land,
der Himmel, die Gestirne. Alles ist belebt. Aus dem Lateinischen und dem Griechischen kennen wir das. Bei den Römern und Griechen gehörte zu jeder Quelle eine Nymphe. In den irischen und nordischen Sagen gibt
es Trolle und Feen, Naturgeister, die zum Land und seinen Bestandteilen gehören. Im ägyptischen muss es ähnlich gewesen sein. Alles, was wir heute als Ding, als Gegenstand betrachten, war damals wohl irgendwie
belebt. Wie das im Einzelnen aussah, kann ich mir nur schwer vorstellen, aber eins ist sicher: es gab für die alten Ägypter keine Physik, denn die Physik "beschäftigt sich mit den Gesetzen der unbelebten Natur".
Vermutlich war das Leben der alten Ägypter magisch.
Dazu passt auch das Wort "se: anh" = "se anch" = "leben lassen". Dazu kann man sich am ehesten einen Gott denken,
denn wer kann sonst wohl "Leben lassen" oder "Beleben", wie wir heute sagen. Falsch getippt. Das Wort
bezeichnet einen Bildhauer. Nach ägyptischer Vorstellung war das Abbild genau so lebendig, wie der abgebildete Mensch und der Mensch, den eine Statue darstellte, lebte in seiner Statue weiter. Vermutlich
stellen wir deshalb heute noch Grabsteine auf. Auch in ihnen sollen die Verstorbenen weiterleben ...
Übrigens habe ich keine Ahnung, wie sich das Wort in eine weibliche Form überführen lässt oder ob es ein
weibliches Pendant zum Bildhauer gibt. Und auch zu anderen Handwerken habe ich noch keine weiblichen Formen gefunden.
Uwe Torweihe
Postfach 210 603
47028 Duisburg
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